Henry – Einreiten

Eigentlich hatte ich nie vor, Henry auch unter dem Sattel auszubilden. Durch eine für Shire Horses typische Bewegungsbesonderheit fällt es ihm schwer, seine Hinterhand gezielt einzusetzen. Deshalb war mein Plan ein ganz anderer: Henry und Conner sollten einfach Pferd sein dürfen – gemeinsam auf einer großen Weide leben, ohne Erwartungen, ohne Aufgaben.

Doch das Leben hatte andere Pläne. Viel zu früh musste ich Conner im Alter von nur sechs Jahren gehen lassen. Nach Henrys Kastration zog er zu den Stuten und mit der Zeit wurde immer deutlicher, dass ihm etwas fehlte. Er wollte mehr. Er wollte beschäftigt werden.

Also begannen wir mit der Bodenarbeit. Die ersten Schritte waren alles andere als leicht. Manchmal waren sie sogar gefährlich. Aber wir lernten gemeinsam, wuchsen an den Herausforderungen und entwickelten uns Stück für Stück weiter. Mit jedem kleinen Erfolg verblasste der Gedanke, dass es unmöglich sei, Henry einzureiten.

Irgendwann entschied ich mich einfach, es zu versuchen – ohne Zeitdruck, ohne Erwartungen und ohne ein festes Ziel. Nicht, weil Henry geritten werden muss, sondern weil ich herausfinden möchte, was für ihn möglich ist. Immer nur ein kleiner Schritt nach dem nächsten.

Und genau dort stehen wir heute: Beim dritten Mal aufsteigen. Unser einziges Ziel ist es, das bereits bekannte Kommando zum Angehen mit in den Sattel zu nehmen. Nicht mehr. Denn wir müssen nichts überstürzen. Jeder Schritt darf erst verstanden werden, bevor der nächste folgt. Genau so lernen Pferde mit Freude – und genau so möchte ich mit Henry unseren gemeinsamen Weg gehen.

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https://www.youtube.com/watch?v=6IquqNwGKKQ&t=6s

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