Plötzlich ist alles anders

Manchmal verändert ein einziger Moment alles.
Nach einer wunderschönen Woche auf dem Moorhof kamen wir voller schöner Erinnerungen nach Hause. Wir waren glücklich, erholt und voller Vorfreude auf unsere Pferde.
Doch dieses Gefühl hielt genau bis zu dem Moment an, als ich Luci im Stall stehen sah.
Die Stuten hatten auf der Weide getobt und Luci lahmte so extrem, wie ich es bei einem Pferd noch nie gesehen hatte. In diesem Moment war ich sicher, dass wir sie verlieren würden. Ich rief den Tierarzt an und hatte innerlich schon Abschied genommen.
Zum Glück konnte der Tierarzt keine offensichtliche schwere Verletzung feststellen. Trotzdem ließ mich ein Gedanke nicht los: Was, wenn es der Huf ist? Ich fragte, ob wir röntgen könnten. Mir wurde gesagt, wir sollten erst einmal abwarten.
Also warteten wir.
Doch mein Bauchgefühl wurde jeden Tag stärker. Drei Tage später war für mich klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Als ich erneut nachfragte, hieß es wieder, ich solle noch eine Woche Geduld haben. Ehrlich gesagt fühlte ich mich mit meinen Sorgen ziemlich allein gelassen.
Also traf ich die Entscheidung, selbst einen Termin in der Tierklinik Lüsche zu vereinbaren.
Zehn Tage nach dem Unfall standen wir dort. Zehn Tage, in denen so viel hätte passieren können. Zehn Tage, in denen Luci mit einem Bruch herumlief, ohne dass wir es wussten. Noch heute macht mich der Gedanke traurig, dass man den Huf vielleicht direkt am Unfalltag hätte röntgen können. Dann hätte der Bruch sofort ruhiggestellt werden können.
In der Klinik kam schließlich die Diagnose: Hufbeinbruch mit Gelenkbeteiligung.
Ob der Riss ins Gelenk verhindert worden wäre, wenn früher geröntgt worden wäre, werden wir nie erfahren. Und ich versuche inzwischen auch, mir diese Frage nicht mehr zu stellen. Sie hat keine Antwort und würde mich nur verrückt machen.
Heute sind zwölf Wochen vergangen.
Zwölf Wochen Boxenruhe. Zwölf Wochen Hoffen. Zwölf Wochen voller kleiner Fortschritte und genauso vieler Sorgen.
Und wisst ihr, was mich jeden Tag aufs Neue beeindruckt? Luci macht das einfach großartig. Obwohl sie ihr ganzes Leben auf der Weide verbracht hat und Bewegung liebt, trägt sie diese lange Zeit mit einer Ruhe und Geduld, die mich oft sprachlos macht.
Jetzt beginnt der nächste Schritt. Bald dürfen wir langsam anfangen, sie auf hartem Boden zu führen. Dann wird sich zeigen, ob sie dauerhaft lahmfrei leben kann oder ob wir irgendwann doch eine Entscheidung treffen müssen, vor der ich mich seit dem Unfall fürchte.
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir jemals wieder gemeinsam ausreiten oder trainieren können, geht leider gegen null.
Das tut weh. Sehr sogar.
Aber inzwischen hat sich mein Wunsch verändert. Früher habe ich mir gewünscht, dass wir noch viele gemeinsame Ritte erleben. Heute wünsche ich mir vor allem eines: dass Luci schmerzfrei sein darf. Dass sie irgendwann wieder die Sonne auf ihrem Fell spüren, Gras unter den Hufen haben und einfach Pferd sein kann.
Alles andere ist plötzlich unwichtig geworden.

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