Am Wochenende waren wir wieder unterwegs. Ganz fest hatte ich mir vorgenommen, das Verladen alleine zu machen, egal wie lange es dauern würde. Am Freitag war es völlig unproblematisch. Während ich noch nach der Bodenarbeitspeitsche suchte, war Luci schon im Anhänger. Ich konnte alles in Ruhe schließen ohne Theater.

Am Sonntag in Lüdinghausen wartete ich bis alle den Hof verlassen hatten. Einmal, um Ruhe zu haben und einmal um stark zu bleiben und mir noch doch wieder einen Helfer zu holen.

Da Luci insgesamt schlechte Laune am Wochenende hatte, war mir klar, dass das Verladen diesmal nicht so einfach funktionieren würde. Eigentlich hatte ich schon ein bisschen darauf gehofft, dass es diese Situation geben würde, weil man nur dann sehen kann, ob man wirklich eine Basis geschaffen hat, um Verladen zu können.

Luci versuchte alle Vermeidungsstrategien, um nicht einzusteigen. Sie stieg in meine Richtung von der Rampe herunter, versuchte sich in die andere Richtung zu entziehen. Sie schlug nach der Fahrpeitsche, sie ging rücksichtslos mit ihren Hufen um, sie bockte, etc. Sie zeigte alle Verhaltensmuster, die mit denen sie mal erfolgreich war. Es fühlte sich an, wie eine Prüfung. Sie prüfte mich und meine Kompetenz. Das war eine echte Beziehungsdiskussion und Kompetenzprüfung.

Da ich sehr gut darauf vorbereitet war und alles schon gesehen und ausprobiert hatte, blieb ich so weit das der Strick und die Reichweite der Hufe es erlaubten, einfach auf meinem Platz stehen. Ich konzentrierte mich auf das Atmen und schaute so weit es ging immer in den Anhänger und nicht auf ihre Hufe. Aus dem Augenwinkel schaute ich auf Luci und wohin ihr Blick gerichtet war. Sobald sie nach rechts weg vom Anhänger oder nach links schaute oder über den Anhänger hinweg, korrigierte ich den Blick und Fokus in den Anhänger. Meine Gerte und Körpersprache sagten immer vorwärts. Ich begrenzte die Schulter in meine Richtung. Drei mal habe ich verloren, weil ich zu spät reagiert habe. Dann konnte ich die Türe geschlossen halten.

Dann konnte man sehen, wie es in Lucis Kopf anfingt zu arbeiten. Wie eine Liste, arbeitete sie alles ab und beobachtete mich genau. Immer mehr Optionen verwarf sie und diskutierte nun mit sich selber, ob sie einsteigen wird oder nicht. Das Kontra wich immer mehr aus ihrem Kopf und immer, wenn sie mit allen Füßen auf der Rampe bzw. mit den Vorderbeinen im Anhänger war, ließ ich ihr eine Pause.

Interessant war, wie sie mich beobachtet und meine Ruhe als neu ansah. Erst war sie frustriert, dass sie mich nicht in eine andere Stimmung bringen kann und ich ihre Gefühle nicht mitmache. Dann konnte sie mir irgendwann zuhören und fing an sich an mir zu orientieren.

Insgesamt dauert der Prozess vielleicht zehn Minuten und ist so wichtig für unsere Beziehung. Ich konnte die Stange ohne Drücken schließen, weil sie sich entschieden hatte, dass sie einsteigt und den Nicht-einsteigen-Gedanken verworfen hatte.

Sie war dann zwar erst noch etwas beleidigt im Anhänger und auch etwas frustriert bis ratlos, weil ihr Plan nicht aufgegangen ist. Sie wollte keinen Hafer fressen. Aber nach ein paar Minuten Fahrt fing sie dann an Heu zu fressen und das ist neu und immer ein gutes Zeichen.

Ich konnte das alles gut verstehen, weil wir auf der Hinreise durch das wirklich schlimme Gewitter gefahren sind und das bestimmt extrem unangenehm im Anhänger war. Trotzdem muss sie einsteigen und es ist ja nicht wirklich was passiert, es war einfach nur nicht schön.

Wie sagte ich immer zu den Kindern, wie sie sagen: Ich habe keinen Bock. Dann sagte ich: Dann mach es eben ohne Bock.

Am Ende sind sie dann stolz, dass sie geschafft haben. Ich habe auch nie Bock aufzuräumen und drücke mich wie es geht und später bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Es ist wichtig, dass man lernt durch das Tal der Tränen hindurchzugehen.

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